Mittwoch, 17. November 2004Hans-Peter Dürr:
Naturwissenschaft und MystikOrt: Katholische Akademie, Wintererstr. 1
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Das Thema"Nicht nur die Religionen, sondern auch die Wissenschaft müssen bescheiden zur Kenntnis nehmen, dass sie die 'eigentliche' Wirklichkeit im Urgrund nicht ausreichend und angemessen beschreiben, sondern nur mithilfe von Gleichnissen deuten können." Das ist die Grundeinsicht des bedeutenden Physikers Hans-Peter Dürr, der eine neue Epoche im gegenseitigen Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft, von Mystik und Physik sieht.
Als Naturwissenschaft und Religion einander nicht mehr so feindlich gegenüberstanden, wie es seit Galilei in verschiedenen Varianten zwischen Kampf, Angst und Spott für lange Zeit üblich war, da einigten sie sich auf gegenseitige Duldung. Die eine überließ der anderen unangefochten das Revier, in dem sie selbst nicht zuhause war. Religion wurde zur Privatsache, und die Naturwissenschaftler mussten sich mit dem Gedanken abfinden, für die Erkenntnis materieller Zusammenhänge zuständig zu sein, aber von allem, was mit Leben, Seele und Geist zu tun hatte, eigentlich nichts zu verstehen.Aber die so genannte "moderne Physik" brachte Erkenntnisse, die eine deutliche Grenzziehung zwischen Naturwissenschaft einerseits, Leben, Seele und Geist andererseits nicht mehr so wie zuvor zuließen. Wenn, wie man erkannte, "Materie" nicht aus "Materie" besteht, sondern letzten Endes aus "Beziehungsstrukturen" die man auch "geistig" nennen könnte, dann ist auch der Physiker darauf angewiesen - neben der Mathematik -, Metaphern zu verwenden, um überhaupt noch etwas verstehen zu können. Und damit betritt er eine Ebene, auf der plötzlich eine sprachliche Verständigung mit dem Teil der Menschheit (oder seiner selbst), dem Religion etwas bedeutet, nicht mehr ganz unmöglich erscheint.
Der ReferentHans-Peter Dürr, Direktor am Max-Planck-Institut und Träger des Alternativen Nobelpreises, ist seit den Zeiten, als er Assistent von Werner Heisenberg war, in dieser Welt der modernen Physik zuhause. In den vergangenen zehn Jahren hat er immer wieder eine Gesprächsebene mit der Welt der Religionen gefunden. Die Begegnung mit diesem Physiker verspricht einen faszinierenden Einblick in die Ergebnisse dieses neuen Dialogs.
Das Buch:
Hans-Peter Dürr
Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen
Die neue Beziehung zwischen Religion und Naturwissenschaften
Hg. Von Marianne Oesterreicher
ISBN 3-451-05486-8, 160 Seiten, € 8,90